Interview: Gemeinsam in die Zukunft?

Am kommenden Mittwoch (20 Uhr) ist es soweit.
Dann haben die Mitglieder der SpVgg Unterstall/Joshofen und des SV Bergheim das Wort. Bei den zeitgleich in beiden Sportheimen stattfindenden außerordentlichen Mitgliederversammlungen wird abgestimmt, ob es zur geplanten Fusion kommen und man künftig unter dem Namen „SpVgg Joshofen/Bergheim“ gemeinsam Sport treiben wird. Damit dies der Fall ist, müssen jeweils mindestens 75 Prozent der an diesem Tag anwesenden Mitglieder für den Zusammenschluss stimmen.

Im Vorfeld dieser zukunftsträchtigen Abstimmung waren die Vereinsverantwortlichen Hubert Daubmeier (1. Vorsitzender SpVgg Unterstall/Joshofen), Helmut Babinger (1. Vorsitzender SV Bergheim), Klaus Fischer-Stabauer, Matthias Kohl (beide Jugendleiter SpVgg Unterstall/Joshofen), Christiane Meißler (Schriftführerin SV Bergheim) und Albert Zeller (Mitglied SV Bergheim und designierter 2. Vorsitzender) in der Redaktion der Neuburger Rundschau zu Gast.

Herr Daubmeier, Herr Babinger, wie optimistisch sind Sie als Vorsitzende der beiden Vereine SpVgg Unterstall/Joshofen und SV Bergheim, dass Ihre Mitglieder am Mittwoch bei der außerordentlichen Versammlung für die Fusion stimmen werden?

Daubmeier: Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir bei der SpVgg Unterstall/Joshofen die erhoffte Zustimmung bekommen, da wir im Vorfeld mit sehr vielen Leuten intensiv gesprochen haben. Darüber hinaus hatten wir mehrere Info-Veranstaltungen sowie eine Probe-Abstimmung. Natürlich haben wir auch den einen oder anderen Kritikpunkt gehört, mit dem wir uns auseinandergesetzt haben. Aber dennoch bin ich überaus optimistisch, dass sich unsere Mitglieder für die Fusion entscheiden werden.
Babinger: Was das Thema Probe-Abstimmung betrifft, sah es bei uns sehr positiv aus. Bei 70 Stimmberechtigten gab es nur fünf Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. Auch bei uns war es so, dass wir in den vergangenen Wochen sehr viele Gespräche auch mit Mitgliedern, die nicht bei der Versammlung waren, geführt haben. Die Leute wollen einfach wissen, was beispielsweise mit dem Sportheim passiert oder wie es allgemein weitergeht. Insgesamt betrachtet haben wir eine sehr breite Zustimmung erfahren – auch weil die Leute sehen, dass es gerade mit unserer Fußball-Mannschaft doch sehr mau ausschaut.

Was waren in den Gesprächen mit Ihren jeweiligen Mitgliedern die größten Bedenken, die Sie zu hören bekamen?

Babinger: Wie schon gesagt, die größte Sorge war, was künftig mit unserem Vereinsheim passiert, nachdem ja die SpVgg Unterstall/Joshofen offiziell der aufnehmende Verein ist. Doch wir verlieren ja nichts, sondern bekommen vielmehr auch etwas dazu. Das muss man den Leuten eben erklären. Neben den Vermögensfragen wurde beispielsweise auch die Platzsituation immer wieder angesprochen.
Daubmeier: Bedenken hinsichtlich des Sportheims gab es bei uns eigentlich nicht. Es kam aber immer wieder die Frage auf, ob mit der Fusion auch mehr Arbeit auf unsere Mitglieder zukommen wird – gerade im Hinblick auf die gesamte Sportanlage in Bergheim. Bei dieser Diskussion sind dann ein paar „Alteingesessene“ aufgestanden und waren der Meinung, dass die Arbeit ohnehin wie bislang auch erledigt werden müsse. Viel diskutiert wurde sicherlich auch über den künftigen Vereinsnamen. Das war ein Prozess, der sich schon über mehrere Monate hingezogen hat. Wir haben das auf unserer Facebook-Seite und im Gemeindeblatt veröffentlicht und dort zum „Namenswettbewerb“ aufgerufen. Bei der Probe-Abstimmung, die eine Woche früher als beim SV Bergheim stattgefunden hat, haben wir alle Wahlzettel gesammelt, sie zunächst ungeöffnet gelassen und dann acht Tage später gemeinsam mit den Bergheimern ausgezählt. Wir sind dann zu einem ziemlich eindeutigen Ergebnis gekommen – was aber letztlich dazu geführt hat, dass der Ortsnamen Unterstall rausgeflogen ist.
Babinger: Ich persönlich – und übrigens auch unsere Mitglieder – hätte es sehr bedauert, wenn es künftig den Namen Bergheim nicht mehr gegeben hätte. Von dem her bin ich der Meinung, dass mit dem künftigen Vereinsnamen SpVgg Joshofen/Bergheim jeder gut leben kann.

Mit welchen Argumenten haben Sie versucht, etwaige Kritiker von den Vorzügen und Vorteilen einer möglichen Fusion zu überzeugen?

Daubmeier: Der entscheidende Punkt ist sicherlich der demografische Wandel in der Gesellschaft. Kurz gesagt: Es werden immer weniger Kinder – und diese haben immer weniger Zeit oder andere Interessen. Gegen diesen allgemeinen Trend kann man nicht gegensteuern. Ein Sportverein definiert sich aber nun einmal durch die Jugendarbeit. Letztlich bleibt uns gar nichts anderes übrig, als als Vereine zusammenzugehen, um die vorhandenen Stärken auszuspielen. Es gibt aber auch andere Trends. Ich war letztes Jahr auf einem Sportkongress. Da wurde die Aussage getätigt, dass künftig Sportvereine unter 500 Mitgliedern gar nicht mehr gefördert werden. Das Gleiche habe ich mittlerweile auch vom Landkreis Neuburg Schrobenhausen gehört. Aktuell liegen wir zwar noch knapp über der 500-Mitglieds-Grenze. Doch sollte einmal eine schlechtere Zeit kommen, würden wir aus der Förderung herausfallen. Von dem her hat eine solche Fusion natürlich auch einen finanziellen Vorteil.
Babinger: Nachdem der SV Bergheim derzeit rund 300 Mitglieder hat, würden wir ohnehin nicht in diese Förderung hineinkommen. Unser Hauptproblem ist jedoch sportlicher Natur. Da wir zum jetzigen Zeitpunkt für unsere Fußball-Mannschaft nur einen sehr kleinen Kader haben und jedes Mal froh sein müssen, überhaupt ein Team stellen zu können, müssten wir unsere „Erste“ im Hinblick auf die kommende Saison definitiv zurückziehen. Und ein Sportheim beziehungsweise Sportverein ohne erste Herrenmannschaft – da würde einfach etwas fehlen. Sollte die Fusion nicht zustande kommen und es kein Fußball-Team mehr geben, würde auch ein Großteil der Vorstandschaft mit Sicherheit aufhören.

Bleiben wir beim Thema Fußball: Wurde auch schon darüber gesprochen, wie viele Mannschaften man künftig ins Rennen schicken möchte beziehungsweise wo diese ihre Heimspiele austragen?

Daubmeier: Natürlich wurde darüber auch schon sehr konkret und intensiv diskutiert. Fakt ist zunächst einmal, dass wir alle Plätze sowohl für den Spiel- als auch Trainingsbetrieb dringend benötigen. Unser Ziel ist es, mit drei Herren-Mannschaften (Kreisklasse, B-Klasse und Reserve; Anm. d. Red.) in den Spielbetrieb 2016/2017 zu starten. Wo diese dann letztlich ihre Heimspiele austragen, müssen wir noch endgültig klären. Wichtig dabei ist nur, dass der jeweilige Spielort für jedes Team auch Sinn ergibt. Das trifft im Übrigen auch auf die Frauen und Jugendmannschaften zu. Wenn das alles geklärt ist, müssen wir für die Begegnungen entsprechend Werbung machen und beispielsweise einen Platzverkauf organisieren, damit der Verein auch Einnahmen generieren kann.

Stichwort Einnahmen: Ein Verein lebt vor allem auch durch seine Mitgliedsbeiträge, mit denen er fest planen kann. Diese sind bei der SpVgg Unterstall/Joshofen und dem SV Bergheim freilich nicht zu 100 Prozent deckungsgleich. Ist man hier auch schon ins Detail gegangen, wie die Mitgliedsbeiträge künftig ausschauen sollen?

Daubmeier: (lacht) Wir haben uns zunächst einmal den – zumindest auf den ersten Blick – etwas einfacheren Aufgaben gestellt. Zum Beispiel der Abteilungsordnung. Als es dann ins Detail gegangen ist, haben wir aber schon gemerkt, dass es doch etwas schwieriger und komplexer ist. Bei der künftigen Gebührenordnung waren wir uns einig, dieses Thema erst einmal zurückzustellen, bis die Entscheidung in Sachen Fusion gefallen ist. Wir wissen, dass das eine der etwas schwereren „Übungen“ ist, die wir dann angehen wollen, wenn alles unter Dach und Fach ist.

Angenommen, die Mitglieder beider Vereine stimmen am Mittwoch für die Fusion. Wie wäre die weitere Vorgehensweise?

Daubmeier: Was im sogenannten „Verschmelzungsvertrag“ festgelegt ist: Wir müssten nach dem Votum zunächst einen Monat warten, bis der Eintrag im Handelsregister erfolgt. Anschließend gibt es dann noch die Registergerichts-Eintragung. Wir haben vertraglich festgelegt, dass nach der Eintragung im Handelsregister innerhalb von drei Monaten eine außerordentliche Mitgliederversammlung erfolgt, bei der über die neue Satzung, Mitgliedsbeiträge sowie den künftigen Vorstand diskutiert und abgestimmt werden soll. Das wird sicherlich eine echte Mammutsitzung (lacht).
Babinger: Ich muss schon zugeben, dass es bei der Besetzung des künftigen Vorstandes bei unseren Mitgliedern schon etwas Skepsis gegeben hat – vor allem auch dadurch, dass ich nicht weitermache. Nachdem wir aber mit Albert Zeller einen langjährigen SVB’ler mit eingebracht haben, waren unsere Leute dann schon wieder deutlich beruhigter.

Herr Fischer-Stabauer, Herr Kohl, in Ihrer Funktion als Jugendleiter bei der Fußball-Abteilung der SpVgg Unterstall/Joshofen sind Sie im permanenten Austausch mit dem Nachwuchs. Wie wird dort die geplante Fusion gesehen?

Fischer-Stabauer: Wir sind eigentlich kaum auf irgendwelche Vorbehalte gestoßen. Das Kernproblem in den vergangenen Jahren war doch folgendes: Als die Kinder in die Schule gekommen sind, haben sie sich zusammen mit ihren Freunden entschlossen, entweder geschlossen zum SV Bergheim oder zur SpVgg Unterstall/Joshofen zu gehen. Sprich: Beide Vereine hatten immer eine entsprechende Lücke. Im Grunde war es der Wunsch der Kinder, dass sie nicht nur in der Schule, sondern auch im Verein zusammen kicken können. Diesbezüglich wollen wir diese Fusion vor allem für den Nachwuchs machen.

Der demografische Wandel wurde bereits angesprochen. Sollte die Fusion nicht zustande kommen: Welche Auswirkungen hätte dies auf die Jugendarbeit in den kommenden Jahren?

Fischer-Stabauer: Es würden definitiv riesengroße Probleme auf uns zukommen. Wir sind letztlich ein Dorfverein. Aktuell haben wir noch das Glück, dass die SpVgg in Sachen Jugendarbeit einen guten Ruf genießt und deshalb auch aus Neuburg selbst immer wieder Kinder hinzukommen. Aber wir sind nicht so blauäugig und denken, dass es genauso weitergeht. Wenn wir diese Fusion hinbekommen, stellen wir das Ganze auf ein breites Fundament. Wir konnten zwar jetzt alle Jugendmannschaften besetzen. Doch genau jetzt, in Zeiten der Stärke, muss man die Hebel für die Zukunft ansetzen. Wenn wir das nicht tun, werden wir in einigen Jahren die gleichen Probleme bekommen, die viele andere Klubs schon haben.

Sehen Sie sich in einer Art „Vorreiter-Rolle“ für andere Vereine, was das Thema Fusion betrifft? Herr Fischer-Stabauer hat es ja soeben angesprochen, dass zahlreiche Vereine bereits mit eklatanten Nachwuchs-Problemen zu kämpfen haben...

Kohl: Ich bin überzeugt, dass es in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zu zahlreichen Fusionen kommen wird. Anders geht es ja nicht mehr. Im Grunde genommen gibt es heutzutage zu viele Fußballvereine. Früher war das alles kein Problem, da man entsprechend viele Kinder hatte. Aber das Blatt hat sich deutlich gewendet. Es gibt ja den schönen Spruch: Geh’ mit der Zeit, sonst gehst du mit der Zeit! Und daher ist es eben wichtig, die Zeichen der Zeit rechtzeitig zu erkennen.

Im Fußball-Kleinfeldbereich gibt es ja bereits eine Spielgemeinschaft mit dem SV Bergheim. Wie hat sich diese in Ihren Augen etabliert?

Kohl: Aktuell haben wir im G-Jugend-Bereich 40 Kinder. Diese werden von fünf Trainern betreut – zwei von Bergheim, drei von uns. Das sind tolle Synergien, die jetzt schon entstanden sind und auf denen man weiter aufbauen kann. Es wurde ja bereits angesprochen: Der entscheidende Faktor bei dieser Fusion ist die Jugendarbeit – wobei wir aber auf der anderen Seite mit Sicherheit auch die „alten Wurzeln“ beziehungsweise unsere älteren und langjährigen Mitglieder nicht vergessen werden und dürfen!

Herr Zeller, Sie sollen künftig als 2. Vorsitzender der SpVgg Joshofen/Bergheim fungieren. Wie sind Sie zu diesem designierten Amt gekommen?

Zeller: Nun, ich war zuletzt 25 Jahre in der Vorstandschaft unseres Schützenvereins Donauperle Bergheim aktiv und am Ende etwas „satt“. Ich habe dann nach neuen Aufgaben gesucht. Als dann der SV Bergheim auf mich zugekommen ist und es mehrere Gespräche – anfangs vor allem über die Grundstücks-Regelung beim SVB – gab, war ich von dieser ganzen Geschichte sehr angetan.

Mal Hand auf’s Herz: Gibt es eigentlich einen „Plan B“ beziehungsweise Überlegungen im Falle eines „Worst-Case-Szenarios“, sprich: Die Fusion wird am Mittwoch von den Mitgliedern abgelehnt?

Daubmeier: Nein, überhaupt nicht. Diesbezüglich haben wir uns überhaupt keine Gedanken gemacht.
Babinger: Bei uns ist es genauso. Nachdem die Fusion die einzige echte Alternative ist, gibt es auch bei uns keine anderen Überlegungen.

Stellten sich den Fragen der Presse zur geplanten Fusion
 

Quelle: Neuburger Rundschau

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Veröffentlicht
07:48:00 08.05.2016