News & Termine > Oliventeppich für die Kicker

18.11.2020 18:46:10 | Martin Loedl
In Joshofen entsteht einer der modernsten Kunstrasenplätze Deutschlands.
In Joshofen, gleich neben dem Weiher, entsteht einer der modernsten Kunstrasenplätze Deutschlands.
Beim Bau ihres neuen Kunstrasenplatzes setzt die SpVgg Joshofen-Bergheim auf eine ungewöhnliche Lösung


Oliven spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Noch vor Weihnachten soll die Anlage, die mit einigen technischen Besonderheiten aufwartet, fertiggestellt sein.

Die Spielvereinigung Joshofen Bergheim plant bereits seit geraumer Zeit, einen Kunstrasenplatz zu bauen. Erste Gedanken tauchten bereits 2016 bei der Fusion von Joshofen und Bergheim auf. Anfang 2018 schien das Projekt zum Greifen nah, doch kam es zu Verzögerungen. Vor allem der Finanzplan bereitete dem Verein Sorgen. Damals war eine Gesamtsumme von 550000 Euro im Gespräch - als absolute Obergrenze. Doch in der Realität war diese Summe nicht zu halten. "Wir sind vom Preis her nicht hingekommen", bestätigt Albert Zeller, der Vorsitzende der SpVgg, der das Projekt maßgeblich angeschoben hat.

Jetzt allerdings ist ein Kunstrasenplatz wieder erschwinglicher geworden; außerdem profitiert der Verein von der Mehrwertsteuersenkung. Rund 650000 Euro muss der Verein dennoch in die Hand nehmen. "Das ist die Oberkante dessen, was wir aufbringen können", erklärt Zeller. Dafür bekommt die Spielvereinigung einen Kunstrasenplatz der allerneuesten Generation.

"Wir wollten so umweltschonend, nachhaltig und ökologisch wie möglich bauen", berichtet der Vorsitzende. Schon die elastische Unterschicht ist frei von bestimmten problematischen Stoffen. Der Clou ist aber das Granulat. Normalerweise besteht es es aus dem zerkleinerten Resten aus alten und entsprechend aufbereiteten Reifen und weiteren Kunststoffen. Doch dieses Mikroplastik gilt als umweltschädlich. Deshalb hat man für Joshofen geschredderte Olivenkerne gewählt. "Sie haben einen hohe Dichte und geben dem Schuh einen guten Grip", weiß Albert Zeller. Vor allem: Quarzsand und Kerne sind zu 100 Prozent recycelbar.

Auch Martin Ott vom Planungsbüro Eger & Partner aus Augsburg ist überzeugt von dieser Lösung. Die Olivenkerne werden gemischt mit Quarzsand und kommen auf die Kunstrasenhalme. Der Quarzsand ist nötig, um die Rasendecke zu beschweren und die Fasern aufrecht zu halten. Allerdings ist er auch rutschig und kann für Verletzungen sorgen, wenn Spieler etwa stürzen. Deshalb wird zusätzlich Granulat als Beimischung benötigt. Als Alternative zu den Olivenkernen gilt Kork. Doch Kork ist teuer und neigt zum Aufschwimmen. Deshalb also das Granulat auf Olivenbasis. Es handelt sich um eine völlig neue Technik. Erst Anfang des Jahres wurde im saarländischen Neunkirchen deutschlandweit der erste Platz dieser Art fertiggestellt.

In Joshofen rollten am 28. September die Baumaschinen an. Mit den Arbeiten wurde die Firma Garten Moser in Aalen beauftragt, die bereits in Rennertshofen tätig war. Zunächst wurde der Humus vom bisherigen Trainingsplatz entfernt. Dann musste das Areal begradigt, die Drainagen eingebaut und das Gelände wieder aufgefüllt werden. Die Umrandung wurde gemacht und das Geländer gesetzt. In diesen Tagen wurde die fünf Zentimeter dicke Asphaltschicht aufgetragen. Darüber bringen die Fachkräfte eine 2,5 Zentimeter hohe Kunststoffschicht auf und darüber kommt der eigentliche Rasen. Die Arbeiten seien im Zeitplan, wie Martin Ott bestätigt. Sollte das Wetter so bleiben, sei die Anlage in wenigen Wochen bespielbar. Nur zu kalt darf es nicht werden, denn die Kunstrasendecke wird verklebt und das geht nur, wenn das Thermometer nicht zu tief sinkt. Und zu nass wäre auch kontraproduktiv, denn nur bei trockenem Wetter kann der Quarzsand eingebracht werden. Konkret wird hier ein Belag des Herstellers FieldTurf eingebaut, wie Norbert Rösch von der Firma Moser mitteilt. "Für uns ist Joshofen das erste Projekt mit dieser neuartigen Verfüllung", so Rösch weiter.

Kunstrasenbau (Foto Daubmeier)
(Foto: Hubert Daubmeier)

Die SpVgg kann es kaum erwarten, den neuen Platz auszuprobieren. "Wir haben 17 Mannschaften im aktiven Spielbetrieb: drei Herrenteams, eine Damenmannschaft, eine AH und zwölf Jugendmannschaften", zählt Zeller auf. Gerade der Nachwuchsbereich ist dem Verein wichtig: Über 200 Jugendliche kicken aktiv.

Die bisherigen Trainingsplätze wurden stets intensiv bespielt und entsprechend belastet, vor allem von Oktober bis März. Das Spielfeld, das nun umgewandelt wird, hätte sowieso saniert werden müssen. Zeller geht davon aus, dass der Kunstrasenplatz etwa 15 Jahre halten wird. "Damit fahre ich wirtschaftlicher, als wenn ich jedes Jahr den Platz herrichten muss", rechnet er vor. Vor allem ist die künftige Pflege nicht besonders intensiv. Man müsse nur darauf achten, dass Laub nicht hineingetreten wird, so Ott vom Planungsbüro.

Die 650000 Euro scheinen also gut angelegt zu sein, obwohl die finanzielle Belastung durchaus hoch ist. 200000 Euro gibt es von der Stadt Neuburg, auch der Landkreis beteiligt sich. Einen Zuschuss sowie ein Darlehen bekommt die Spielvereinigung vom BLSV. Damit muss der Verein immerhin noch 250000 Euro selbst aufbringen, aus Eigenmitteln und aus Spenden. "Wir können's stemmen", versichert Albert Zeller. Die Tilgungszeit beträgt 15 Jahre.

Normalerweise kalkuliert ein Verein bei einem solchen Vorhaben einen gewissen Prozentsatz als Eigenleistung ein. Tatsächlich seien die Mitglieder in den Startlöchern gestanden und hätten gefragt, was sie tun könnten, berichtet der Vorsitzende. Doch verzichtete der Verein darauf. Das einzige, was die Mitglieder hätten übernehmen können, seien die Pflasterarbeiten gewesen, auf einer Fläche von rund 500 Quadratmetern. "Aber wir haben ein enges Zeitfenster. Wir müssen bis Weihnachten fertig sein, um von der niedrigeren Mehrwertsteuer zu profitieren. Und das holen wir mit Eigenleistung nicht herein, was wir über die Mehrwertsteuer verlieren würden", bekräftigt Zeller. Für die Arbeitswilligen finde sich schon noch was, sagt er mit einem Schmunzeln.
Um Finanzierung und Tilgung im vorgegebenen Zeitrahmen stemmen zu können, benötigt der Verein die entsprechenden Einnahmen. Und das ist die Achillesferse: "Wir brauchen die Eintrittsgelder, wir brauchen den Platzverkauf und wir brauchen Sponsoren. Noch ein Jahr mit Lockdown, und es wird schwierig für uns", sagt Vorsitzender Zeller.


Quelle: Donaukurier / Bartenschlager